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Pressemitteilungen

Artikel vom 13.02.2013 | zurück zur Übersicht

Tierärzte diskutieren über Tierschutz in Geflügemast

Auf dem Symposium zur Schlachttieruntersuchung von Geflügel sprachen: (von links) Dr. Jörg Baumgarte, Dr. Heinz Leßmann, Dr. Andreas Wilms-Schulze Kump, Dr. Herbert Paschertz, Dr. Karl-Wilhelm Paschertz und Tierarzt Joachim Bertram.

Landkreis Cloppenburg - Um den Tierschutz in der Geflügelmast zu verbessern, müssen die bestandsbetreuenden Hoftierärzte und die für die Schlachttieruntersuchung zuständigen amtlichen Tierärzte eng zusammenarbeiten. Dies betonten alle Referenten eines Symposiums für Tierärzte, die in der Schlachttieruntersuchung tätig sind. Der Einladung des Veterinäramtes des Landkreises Cloppenburg zu der Fachtagung im Kreishaus Cloppenburg waren 70 Veterinäre aus ganz Niedersachsen gefolgt. In seiner Begrüßung machte der Leiter des Veterinäramtes Cloppenburg Dr. Karl-Wilhem Paschertz deutlich, dass für die kommunalen Veterinärämter der fachliche Austausch mit den praktizierenden Tierärzten und den Landesbehörden unerlässlich sei. Paschertz zeigte sich erfreut, dass die Veranstaltung landesweit auf große Resonanz gestoßen sei. Mit Dr. Jörg Baumgarte war auch der zuständige Referatsleiter aus dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium nach Cloppenburg gekommen, um die Veranstaltung zu moderieren. Dieser wies auf die laufende öffentlichen Diskussion zur Geflügelhaltung hin, in der die Themen Tierschutz und Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes besonders im Fokus stünden.
Einen umfassenden Einblick in seine tierärztliche Praxis, die hauptsächlich Hähnchenmastbetriebe betreut, gab Dr. Andreas Wilms-Schulze Kump aus Visbek. Nach seinen Erfahrungen liegen die Ursachen für auftretende Probleme in den Tierbeständen häufig bereits in der Tiergenetik und im Ungang mit den Bruteiern. "Wenn man den Antibiotikaeinsatz reduzieren will, muss man hier ansetzen", so Wilms-Schulze Kump. Zudem machte er anhand vieler praktischer Beispiele deutlich, wie durch bauliche Aspekte und gutes Management das Tierwohl und die Tiergesundheit verbessert werden können. Kritisch äußerte sich Wilms-Schulze Kump zu Indizes und Kennzahlen über den Medikamenteneinsatz. Diese seien oft wenig aussagekräftig und kaum vergleichbar.
Die Putenmast stand im Mittelpunkt des Referats von Dr. Herbert Paschertz, der in Cloppenburg eine Tierarztpraxis für Geflügel betreibt und der zudem in der Geschäftsleitung eines großen Geflügelvermarkters tätig ist. Auch er bestätigte aus seiner Erfahrung, dass das genetische Material wesentlichen Einfluss auf die Tiergesundheit habe. Danach folgten die Faktoren Brüterei und betriebliches Management. Die Zucht müsse stärker auf die Tiergesundheit ausgerichtet werden, was allerdings Zeit erfordere, betonte Dr. Herbert Paschertz. Er ging weiter auf die besonderen Anforderungen an das Management in Gebieten mit hoher Tierdichte ein. "Wenn benachbarte Betriebe das Einstallen und Ausstallen der Tiere sowie die Mistverbringung aufeinander abstimmen, kann der Infektionsdruck gesenkt werden. Problematisch ist auch die Vorausstallung eines Teils der Herde, weil dadurch immer Keime in den Bestand eingetragen werden", so der Praktiker. Beim Antibiotikaeinsatz gelte die Devise "so wenig wie möglich, aber soviel wie für die Tiergesundheit nötig". Im Putenbereich sei der Antibiotikaeinsatz seit 2008 bereits deutlich zurückgegangen, informierte der Fachtierarzt für Geflügel.
Aus der Sicht der amtlichen Kontrolle beleuchtete Dr. Heinz Leßmann, Abteilungsleiter im Veterinäramt des Landkreises Cloppenburg, die Thematik. Er ging in seinem Vortrag detailliert auf die Inhalte und den Ablauf der Schlachttieruntersuchung ein und sprach sich dafür aus, bei den regelmäßigen Besuchen der amtlichen Tierärzte für die Lebenduntersuchung von Schlachtgeflügel auch Tierschutzaspekte mit zu prüfen. Wichtig für eine effiziente Überwachung seien auch die Rückmeldungen von den Schlachthöfen, beispielsweise über vermehrte Fußballenentzündungen bei einzelnen Schlachtpartien. Bezüglich der Nottötung von kranken und verletzten Tieren machte Leßmann auf die neu in Kraft getretene Verordnung aufmerksam. Die gesetzlich vorgeschriebene Betäubung könne bei Geflügel bis fünf Kilogramm durch Kopfschlag erfolgen. Schwerere Tiere müssten durch Bolzenschuss oder Elektrozange betäubt und anschließend mittels elektrischer Herzdurchströmung oder Entbluten getötet werden. Leßmann wies auch auf Tierschutzverstöße beim Verladen der Tiere hin. Deshalb kontrolliere das Veterinäramt Cloppenburg auch nachts beim Ausstallen der Tiere.
Die Beurteilung der Tiere auf dem Schlachthof stand im Mittelpunkt des letzten Referats der Tagung, das von Tierarzt Joachim Bertram vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gehalten wurde. Auch am Schlachthof müsse der amtliche Tierarzt sicherstellen, das neben der Tiergesundheit auch das Tierwohl beachtet werde. Er ging hierbei insbesondere auf die Anlieferung der Tiere und den Zustand der Kisten und Container ein. Anhand von Bildern machte er deutlich, dass auch anhand der Schlachtkörper beurteilt werden kann, ob der Tierschutz in den Mastbetrieben eingehalten wird. Auffällige Befunde müssten an den Bestandstierarzt zurückgemeldet werden, warb Bertram für einen intensiven Austausch zwischen den praktizierenden und den amtlichen Tierärzten. Am Schlachthof festgestellte Tierschutzverstöße müssten von den Veterinärämtern konsequent verfolgt und geahndet werden. Bezüglich des Arzneimitteleinsatzes berichtete Bertram, dass bei den Rückstandskontrollen erfreulicherweise nur sehr wenige Verstöße festgestellt würden.